CREATION Glossar: Gottesgrund – Bedeutung, Geschichte und Quellen
CREATION Wissensnetz · Gottesgrund. Fachbegriff aus der historisch dokumentierten philosophischen beziehungsweise jüdischen Tradition. Originaltexte, Deutungen und heutige Analogien werden ausdrücklich voneinander unterschieden.
Definition
Gottesgrund ist ein Fachausdruck der Deutung Meister Eckharts. Das mittelhochdeutsche grunt kann Grund, Boden oder innerste Grundlage bezeichnen. Eckhart spricht unter anderem vom Grund der Seele, in dem das Verhältnis von Mensch und Gott anders gedacht wird als ein gewöhnliches Gegenüber von zwei Gegenständen. Der Begriff darf nicht auf ein verstecktes Körperorgan oder einen messbaren Bewusstseinskern reduziert werden.
Entstehung und Überlieferung
Eckhart (um 1260–1328) war Dominikaner und Theologe. Seine deutsche Predigttradition steht im Zusammenhang lateinischer scholastischer Diskussionen über Gott, Sein und Erkenntnis. Das Bild des Seelengrundes hängt eng mit der Gottesgeburt in der Seele und der Abgeschiedenheit zusammen. Historisch sollte zwischen Eckharts eigenen erhaltenen Werken, späteren Zuschreibungen und modernen spirituellen Bearbeitungen unterschieden werden.
Die Deutungen der unterschiedlichen Schulen
Bei Eckhart kann die Seele in ihrem tiefsten Grund als für das göttliche Wort empfänglich beschrieben werden. Neuplatonische Lehren von Rückkehr und Einheit bilden einen wichtigen Vergleichshorizont, ohne dass Eckhart nur Plotin in christlichen Worten wiederholt. Moderne psychologische Deutungen vergleichen den Seelengrund gelegentlich mit unbewussten oder vorbewussten Ebenen; solche Analogien ersetzen den theologischen Anspruch nicht.
Primärwerke, Überlieferung und Autoren
Meister Eckhart, ausgewählte deutsche Predigten zur Gottesgeburt in der Seele und lateinische Pariser Quaestionen. Wissenschaftliche Orientierung in der Stanford Encyclopedia of Philosophy, Abschnitte zum 'ground of the soul' und den Intellektbegriffen. Die zitierfähige Textstelle hängt von Predigtnummer und kritischer Edition ab.
Ein verständliches Beispiel
Ein Mensch erkennt, dass seine wechselnden Urteile und Rollen nicht alle Fragen nach seinem Selbst erschöpfen. Das kann als moderne Annäherung an die Bildsprache des inneren Grundes dienen; eine direkte Gleichsetzung mit Eckharts Gotteslehre wäre unzulässig.
Was der Begriff nicht beweist
Der Seelengrund ist kein wissenschaftlich nachgewiesener Ort im Gehirn. Das religiöse Bild darf nicht zum Beweis einer universalen Mysterienschultechnik gemacht werden.
Frage zur Reflexion
Was bleibt an deiner Selbstbeschreibung offen, wenn du Besitz, Rolle, Leistung und momentane Gedanken nicht für dein gesamtes Wesen hältst?





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